Dublin - Hauptstadt von Irland

Merrion Square

Auf dem um 1764 angelegten Merrion Square unweit des Trinity Colleges befindet man sich direkt im Mittelpunkt des georgianischen Dublins. Die im sogenannten "Georgian Style" rings um den Platz errichteten Häuser lassen längst vergangene Zeiten wieder lebendig erscheinen. Obwohl dieser Baustil durch seine vorgeschriebene Einförmigkeit kaum Abweichungen zuließ, verstanden es die Erbauer dieser Gebäude dennoch, mit den unterschiedlich gestalteten Eingangstüren ihre höchstpersönliche Individualität zum Ausdruck zu bringen. Kommt man gar bei Dunkelheit und flackernden Gaslaternen in diese herrlich traditionsreiche Gegend, ist besonders bei Nebel ein wohliges Schaudern garantiert.

Der Merrion Square ist jedoch nicht nur architektonisch eine Besonderheit, er bietet auch allerhand Kulturelles: So lebte im Haus Nr. 82 und später auch in Nr. 52 der berühmte Schriftsteller William Butler Yeats, während der Maler und Dichter George William Russell im Gebäude Nr. 84 seinem künstlerischen Schaffen nachging. Doch der "wichtigste" Bewohner des Merrion Square war zweifellos Oscar Wilde, der mit seinen Eltern in der Zeit von 1855 bis 1878 an der Nordseite des Platzes wohnte. Wilde wuchs in einer Atmosphäre der schönen Künste und Wissenschaften auf. Sein Vater war ein geachteter Augenarzt, der sich der Altertumsforschung verschrieben hatte, während seine Mutter unter dem Pseudonym "Speranza" Gedichte verfasste und einen literarischen Salon führte.

Mitte der 1990er Jahre erwarb das American College Dublin das Haus der Wildes und stattete es nach der Restaurierung mit originalgetreuen Möbelstücken aus. Stärker noch als das Haus zieht die leuchtend bunte Statue des Schriftstellers seine Bewunderer an: Auf einer Grünfläche lümmelt sich seit 1997 der als Dandy dargestellte Dichter lässig auf einen Felsen und scheint sich mit einem ironischen Lächeln über seine Umwelt lustig zu machen.