National Gallery
Die National Gallery ist Irlands bedeutendste Kunstsammlung, deren Werke es mit vergleichbaren kontinentalen Museen bedenkenlos aufnehmen können. Es ist schon erstaunlich, wie ein relativ armes Land mit seiner von Kriegen, Hungersnöten und Auswanderungen gezeichneten Geschichte einen derartigen Schatz an Kunstwerken aufhäufen konnte. Als das Museum 1854 seine Pforten öffnete, besaß es nicht mehr als 100 Gemälde, ein Bestand, der bis heute um ein Vielfaches gewachsen ist. Mehrere tausend Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen von irischen und international angesehenen Meistern werden in drei Hauptabteilungen ausgestellt. Der Milltown-Flügel des Gebäudes ist den Iren vorbehalten, die neben Szenen aus Geschichte und Politik auch Tragödien wie die Hungersnot oder die Vertreibung der Bevölkerung von ihrem Land auf der Leinwand festhielten.
Im Dargan-Flügel ist ein Raum ausschließlich der Familie Yeats gewidmet, von deren illustren Mitgliedern der Schriftsteller W. B. Yeats wohl am berühmtesten sein dürfte. Die Glanzstücke der National Gallery befinden sich jedoch im North Wing, dem Nordflügel des Gebäudes. Hier hängen die berühmten Porträts von James Joyce, der gleich von mehreren Künstlern verewigt wurde. Hochrangige Gemälde von englischen Meistern wie Gainsborough, Turner und Reynolds konkurrieren mit den Spaniern El Greco, Goya, Murillo, Velasquez und Picasso. Wem es nach italienischen Meistern gelüstet, findet vor den Werken Tizians und Tintorettos sein ganz persönliches Kunsterlebnis. Der unbestrittene Höhepunkt der Sammlung ist jedoch "Die Kreuzabnahme Christi" von Caravaggio. Das Meisterwerk galt als verschollen und hing über ein halbes Jahrhundert lang im Gebäude eines Dubliner Jesuitenordens. Durch Zufall wurde es 1992 vom Museumsleiter dort entdeckt und schleunigst in die Galerie verbracht, wo es von da an auch weniger fromme Augen gebührend bewundern durften.